Logo Kanton Bern / Canton de BerneDie Aare im Kanton Bern

Thalgut - Chesselau

Das Tiefbauamt erneuert den Hochwasserschutz zwischen Thalgut und Chesselau und denkt ihn neu: wo dies möglich ist, bekommt die Aare Raum, um sich auszudehnen. Auf der rechten Flussseite schützt ein neuer Damm Umland und Infrastrukturen vor Hochwasser. In den nächsten Jahrzehnten wird die Aare bis rund 50 Meter vor dem Damm eine neue Auenlandschaft bilden. Die Bauarbeiten finden in mehreren Etappen statt. Sie sind im Frühjahr 2023 gestartet und dauern voraussichtlich bis Frühjahr 2028.

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Aare; Hochwasserschutz Thalgut-Chesselau; Tiefbauamt des Kantons Bern
Die unterhalb der Thalgutbrücke eingebauten wilden Holzstrukturen verhindern die Seitenerosion und bieten den Fischen wertvolle ökologische Nischen.

Ausgangslage

Im Aareabschnitt von der Thalgutbrücke (Gemeinde Wichtrach) bis zur Chesselau (Gemeinde Münsingen) war der Hochwasserschutz vor Projektbeginn nur noch knapp gewährleistet. Die zahlreichen Buhnen und Längsverbauungen waren unterspült und baufällig. Sie stammten zum grössten Teil aus den 1950er-Jahren, die ältesten noch aus dem 19. Jahrhundert.

Entlang der Aare sind Hochwasserschutz und Wasserversorgung kombiniert: die Dämme entlang der Aare schützen einerseits vor Seitenerosion, andererseits schützen sie die Trinkwasserleitungen, die neben ihnen geführt werden. Früher wurden die Leitungen möglichst nah am Fluss gebaut und mit teuren Massnahmen geschützt. Heute denkt das Tiefbauamt den Hochwasserschutz neu und setzt in Pionierprojekten auf natürlichen Uferschutz und Raum für eine eigendynamische Aufweitung des Flusses. Die Leitungen werden heute möglichst weit weg von der Aare verlegt und brauchen so weniger Schutz vor Erosion.

Projektperimeter Thalgut - Chesselau

Ziele und Massnahmen

Mit dem Projekt erreicht das Tiefbauamt folgende Ziele:

  • Die Massnahmen stellen den Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser sicher.
  • Die Aare wird auf knapp 3 km revitalisiert, d.h einzelne Aspekte des Flusses werden wieder natürlicher.
  • Es entsteht ein vielfältiger Erholungsraum, der zu Entdeckungen einlädt.
  • Langfristig wird der Grundwasserspiegel stabilisiert und dadurch die Trinkwassernutzung gesichert.

Massnahmen:

  • Eigendynamische Aufweitung: Wo dies möglich ist, werden die künstlichen Befestigungen entfernt, damit sich die Aare bis in den Pufferstreifen vor dem Hochwasserschutzdamm ausdehnen kann. Über die Jahre wird hier eine neue ökologisch wertvolle und für die Menschen interessante Auenlandschaft entstehen.
  • Hochwasserschutzdamm: Der Damm vor der Autobahn ist ca. 120 Meter vom heutigen Aareufer entfernt. Vor dem Damm wird es einen Pufferstreifen von ca. 50 Metern geben, in dem der Wald bestehen bleibt. Der Hochwasserschutz ist auf ein sogenanntes „100-jährliches Hochwasser“ ausgerichtet, d. h. auf ein grosses Ereignis, das statistisch gesehen nur alle 100 Jahre auftritt. Neben diesem Damm liegt neu auch die Wasserleitung des Wasserverbunds Bern (WVB), deren Kapazität erhöht worden ist.
  • Schlafender Blockverbau: Am Ende der Aufweitung führt ein Blockverbau die breite Aare wieder in die kanalisierte Strecke. Da die Aare sich erst in den nächsten Jahrzehnten ausbreiten wird, ist der Blocksatz heute im Wald eingegraben und nicht sichtbar. Er wird daher als „schlafend“ bezeichnet.
  • Holzverbau: Hier kommen natürliche Uferbefestigungen zum Einsatz, die mit den Jahren Teil der Vegetation werden. Diese neue Verbaumethode bringt grosse fischökologische Vorteile.
  • Buhnen: Steinbuhnen lenken die Strömung weg vom Ufer in Richtung Flussmitte und verhindern so die Seitenerosion. Buhnen kommen dort zum Einsatz, wo die Seitenerosion nicht toleriert werden kann, d.h. dort, wo Autobahn und Trinkwasserleitung unmittelbar am Ufer verlaufen.
  • Linksufrig, am Fuss des Belpbergs, sind keine Hochwasserschutzmassnahmen erforderlich. Die Eingriffe beschränken sich auf Neophytenbekämpfung und Gewässerunterhalt wie zum Beispiel die Beseitigung von Schwemmholz nach einem Hochwasser oder Ufergehölzpflege.

Projektphasen

  • 2017 – 2019: Planungsphase
  • 2020: Auflage und Genehmigung des Wasserbauplans
  • 2023 – 2028: Realisierung
    • 2023: ökologische Ersatzmassnahmen (Amphibienweiher, Stein- und Asthaufen für Reptilien und Insekten)
    • Herbst 2024 – Herbst 2025: Bau des Hochwasserschutzdammes und Verlegung der Trinkwasserleitung
    • Herbst 2025 – Frühjahr 2026: Erneuerung des Erosionsschutzes (Holzverbau, Buhnen) wo nötig, Entfernen des alten Erosionsschutzes wo nicht mehr nötig. Der Trampelpfad am Ufer wird im Sommer 2026 wieder offen sein.
    • Winter 2026/27: Anpassung Wege und Revitalisierung der Üsseren Giesse
    • 2028: Rekultivierungsarbeiten

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